Comicstipendien Berlin 2019

Zum zweiten Mal hat die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa Stipendien an Berliner Comickünstler_innen vergeben. Eine fünfköpfige Fachjury wählte aus 96 Anträgen drei Zeichner_innen aus. Maki Shimizu erhielt das große Stipendium über 16.000 €. Till Thomas und Jana Klävers erhielten eine Stipendium über 2.000 €. Das Aufenthaltsstipendium für Paris, um das sich 10 Künstler_innen beworben hatten, wurde an Konstantin Potapov vergeben. Neben einem Aufenthalt in einem Wohnatelier ist es mit 15.000 € dotiert.

Im Rahmen der ComicInvasionBerlin (11.-12. Mai 2019) wird der Deutsche Comicverein in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und dem Museum für Kommunikation die vier Stipendiat_innen vorstellen und eine kleine Ausstellung ihrer Projekte präsentieren.

Maki Shimizu

Stipendium 16.000 €

Maki Shimizu erzählt in nur vier Panels pointierte und amüsante Kurzgeschichten über ihr Leben als Künstlerin in Berlin. Protagonisten sind der Kater Adagio und die Maki-Maus. Drei Comic-Bände der Reihe „ADAGIO“ sind bereits erschienen.

Mit Unterstützung des Comicstipendiums möchte Maki Shimizu für einen weiteren Band neue Geschichten zeichnen, die den Alltag in einem Berliner Kiez, die drohende Gentrifizierung und das Leben von Alteingesessenen und Menschen mit Migrationshintergrund thematisieren. Die Bilder zeigen 4-Panel-Geschichten aus ihren ADAGIO-Comics.

Till Thomas

Stipendium 2.000€

Till Thomas zeichnet in seinem Projekt „27% im September“ eine Geschichte des Scheiterns. Lennart lebt mit seiner Freundin Van und dem gemeinsamen Sohn Nicki zusammen. Nach einem Fehltritt gerät das Beziehungsgefüge ins Wanken. Er muss aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen, gerät in finanzielle Not und findet keine Jobs. Als seine Freundin mit ihrem Sohn die Stadt für unbestimmte Zeit verlässt, gerät Lennart vollends in die Krise.

Die Geschichte soll in drei Alben erscheinen, gedruckt im zweifarbigen Risographie-Verfahren. Jedem Album wird ein eigens dafür von Karsten Fläming komponierter Soundtrack beigelegt werden, der die desolate Grundstimmung des Comic reflektiert. Abgebildet sind Auszüge aus dem geplanten Projekt.

Janna Klävers

Stipendium 2.000 €

Unter dem Titel „Absurdes und Obszönes aus der Antike” möchte Janna Klävers kurze Comics entwickeln, in denen sie das Handeln der Figuren aus der antiken Mythologie in Kontrast zu unseren heutigen Ansichten von Ethik und Moral stellt. Tatsächliche historische Gegebenheiten sollen mythologischen Erzählungen gegenübergestellt werden.

Janna Klävers stellt die Frage, inwieweit wir uns heute wirklich von den irrationalen, egoistischen und zum Teil kindischen Verhaltensmustern der antiken Helden unterscheiden. Abgebildet sind Beispiele ihrer bereits gezeichneten Kurzcomics.

Konstantin Potapov

Aufenthaltsstipendium Paris: sechs Monate im Wohnatelier und 15.000 €

Konstanstin Potapov hat sich für seinen Aufenthalt in Paris einen alternativen Reiseführer vorgenommen, in dem die Subkultur der Drogenszene vor dem Hintergrund der mythischen Metropole untersucht wird. Das Projekt arbeitet mit Interviews und partizipativer Beobachtung.

Durch eigene Teilhabe am Leben einiger Drogenkonsument_innen soll eine dokumentarische Fiktion geschaffen werden, die sich zwischen soziologischer und grafischer Forschung bewegt. Die Abbildungen zeigen Seiten aus seinen letzten Projekten.